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  3. Die Hasel, eine Zauberrute
Lesezeit: 3 min

Die Hasel, eine Zauberrute

Corylus L.

Im Winter 2015 von Dr. Wilhelm Mair

Dieser Artikel erschien vor 11 Jahren im Meraner Stadtanzeiger und ist unter Umständen nicht mehr ganz aktuell
Zweig mit weiblichen Blüten  und männlichen Blütenkätzchen
Zweig mit weiblichen Blüten und männlichen Blütenkätzchen
Baum-Hasel an der Gampenstraße
Baum-Hasel an der Gampenstraße

Ein uns allgemein bekannter Gast in Gebüschen an Feldrainen und Waldrändern, in Waldlichtungen sowie Auwäldern ist der Gemeine Haselstrauch (Corylus avellana L.). Häufig wächst er so wie der Schwarze Holunder in der Nähe von Anwesen, was zeigt, dass der Mensch seit uralten Zeiten mit diesen fruchttragenden Sträuchern kulturgeschichtlich verwoben ist. Als Straßenbaum gerne angepflanzt wird die Baum-Hasel (Corylus colurna L.), die auch verschmutzte und trockene Luft verträgt. Die im Handel erhältlichen Haselnüsse stammen fast ausschließlich von der Lamberts-Hasel (Corylus maxima Mill.), die in zahlreichen Sorten in großen Plantagen hauptsächlich an der türkischen Schwarzmeerküste, aber auch in Italien ( mhd. lampartisch = lombardisch, die Hasel aus der Lombardei) und Spanien kultiviert wird. Bei uns wird sie in Gärten als rotblättrige Blut-Hasel (Corylus maxima ´purpurea´) gepflanzt; ihre Blätter sind bleibend schwarzrot, die Kätzchen und Fruchthüllen rot. Eine weitere Kulturform ist die eher schwachwüchsige Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana ´contorta´) mit korkenzieherartig gedrehten Ästen und Zweigen.

Die Haseln werden in die Unterfamilie der Haselnussgewächse (Coryloideae) innerhalb der Familie der Birkengewächse (Betulaceae) eingeordnet. Sie sind heute mit etwa 15 Arten von Europa über Asien bis nach Nordamerika verbreitet, vom Tiefland bis etwa 1.800 m. In der „Haselzeit“ vor etwa 9.000 Jahren besiedelte der Haselstrauch in ausgedehnten Wäldern ganz Mitteleuropa. Die lateinische Artbezeichnung „avellana“ geht auf die süditalienische Stadt Avellino zurück, deren Umgebung bereits zur Zeit der Römer für ausgedehnte Haselkulturen bekannt war. Die Artbezeichnung „colurna“ stammt vom römischen Dichter Vergil und bedeutet „aus Haselholz“.

Die Haseln wachsen als vielstämmige Sträucher oder baumförmig mit durchgehendem Stamm und kegelförmiger Krone. Die sommergrünen Blätter stehen wechselständig an den Zweigen; sie sind herzförmig, am Rande doppelt gesägt und unterseits an den Blattnerven behaart. Lange vor der Blatt­entfaltung eröffnen die aufblühenden Haseln die Heuschnupfensaison. Männliche und weibliche Blüten befinden sich getrennt an der gleichen Pflanze. Die männlichen Blütenstände werden bereits im Vorjahr dicht gedrängt in Kätzchen gebildet, im Frühjahr brauchen sie sich nur mehr zu strecken und aufzublühen (bei uns in milden Wintern bereits im Jänner). Die weiblichen Blüten unterscheiden sich äußerlich kaum von den Blattknospen, man erkennt sie an den aus den Knospenschuppen herausragenden kleinen roten Narbenbüscheln. Nach der Windbestäubung bilden sich die Nussfrüchte, die von einer verholzten Schale umgeben sind; sie sind nicht nur bei den Menschen sehr beliebt, sondern auch als Wintervorrat bei Siebenschläfern, Mäusen, Eichhörnchen, Spechten, Hähern und Kleibern, die mit verlorenen oder vergessenen Samen für die Verbreitung sorgen.

Die Hasel wird wegen der geraden und widerstandsfähigen Äste gerne als Wanderstock verwendet und den Hirten auf den Almen dient sie als Hirtenstock oder zum Korbflechten. Gerne erinnern wir uns an die Frühlingspfeifen aus den Hasel- oder Weidenzweigen. Das bekannteste Produkt, das neben anderen Inhaltsstoffen geröstete und gemahlene Haselnüsse enthält, ist der süße Haselnuss-Brotaufstrich „Nutella“. Auch das durch Pressen der fettreichen Haselnüsse gewonnene Öl hat angenehme sensorische Eigenschaften, ist reich an einfachen ungesättigten Fettsäuren und deshalb als Lebensmittel sehr wertvoll, allerdings ist es nicht sehr haltbar. Haselnussöl findet auch Anwendung in der Kosmetik zur Hautpflege und als Massageöl. In der Nuss sind auch Vitamine, Mineralstoffe wie Magnesium, Phosphor, Kalium und Calcium sowie Ballaststoffe enthalten.

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Ausgabe 4/2015
Meraner Stadtanzeiger 4/2015
Thu, 19. Feb 2015

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