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Lesezeit: 2 min

Tippen statt schreiben?

Im Winter 2015 von Dr. Luis Fuchs

Dieser Artikel erschien vor 11 Jahren im Meraner Stadtanzeiger und ist unter Umständen nicht mehr ganz aktuell

Ab Herbst 2016 müssen die Kinder Finnlands nicht mehr die Schreibschrift lernen, es genügt, wenn sie sich in großen und kleinen Druckbuchstaben schriftlich ausdrücken können. Man will den Kindern den Drill, schön zu schreiben, ersparen, so argumentieren die Schulleute. Neben dem Erlernen von Druckbuchstaben sollen die Schüler, unter Verwendung sämtlicher Finger, auch Texte in Laptop, Tablet und PC fließend tippen können. Zum späteren Berufsleben sei das Verfassen von Texten mit Tastatur und Maus unerlässlich, beteuert die finnische Schulbehörde. Auch die Lesbarkeit sei damit garantiert, denn manche Erwachsene könnten später ihre eigene Mitschrift nicht mehr entziffern.

Schreiben sei eines unserer wertvollsten Kulturgüter, halten nicht wenige Pädagogen dem entgegen. Die Menschheit hat Jahrtausende gebraucht, um unsere heutige Alphabetschrift zu erfinden. Das Schreiben sei zwar eine der jüngeren Erfindungen in der Menschheitsgeschichte, aber vielleicht die wichtigste Erfindung menschlicher Kultur, mindestens genauso wichtig wie Feuer und Rad, meint der Romanist Nikolaus Nützel.

Natürlich sind die Schüler mit dem Erlernen der Schreibschrift in höherem Maße gefordert, als wenn sie per Druckschrift nur Buchstaben aneinanderreihen müssen. Den Kindern muss ja nicht Perfektion beim Schönschreiben abverlangt werden, Schreiben kann für sie auch zu einer erfreulichen Tätigkeit werden. Zudem hilft die Handschrift beim Lernen und unterstützt das Gedächtnis. Denn wie soll ich mir überhaupt Dinge merken, wenn ich sie nicht auf Papier bringen kann? Die Schreibschrift ist ja im Erwachsenenalltag unverzichtbar, die meisten von uns greifen immer wieder zu Kuli oder Bleistift, um Notizen zu machen oder Einkaufslisten anzulegen.

In der Handschrift bringt der Mensch seine Persönlichkeit zum Ausdruck, darin steckt eine unverwechselbare Visitenkarte. Wie werden in Zukunft etwa die Unterschriften geleistet, wenn nicht eigenhändig? Fallen wir wieder in die Zeiten zurück, als Schreibunkundige mit drei Kreuzchen unterzeichneten?

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Thu, 19. Feb 2015

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