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  3. Ein neues Heim für das Meraner Museum
Lesezeit: 6 min

Ein neues Heim für das Meraner Museum

Im Frühling 2015 von Dr. Walter Egger

Dieser Artikel erschien vor 11 Jahren im Meraner Stadtanzeiger und ist unter Umständen nicht mehr ganz aktuell
Stadtansicht von Meran 1840  Gemälde von Anton Flieher
Stadtansicht von Meran 1840 Gemälde von Anton Flieher

Die jahrelange Bauzeit ist vergessen, ein lang gehegter Wunsch wird wahr. Das neue Museum im Palais Mamming am oberen Pfarrplatz öffnet am 25. April seine Tore. Mit beträchtlichem Kostenaufwand hat die Stadtgemeinde den alten, erneuerungsbedürftigen Ansitz Steinachheim, heute Palais Mamming, den Erfordernissen eines modernen Museums angepasst.

Der prächtige Barockbau mit seiner unverwechselbaren Fassade ist ein Blickfang für Einheimische und Touristen. Das von Grund auf renovierte Palais verleiht dem neuen Museum ein einzigartiges Ambiente mit historischem Glanz. Gespannt warten viele Bürger und Bürgerinnen darauf, die Ausstellungsräume betreten zu dürfen.

Mehr als ein Stadtmuseum

Das Meraner Museum, es wurde 1900 von Dr. Franz Innerhofer gegründet, besitzt heute eine Sammlung von rund 100.000 Objekten, darunter auch solche, deren Bedeutung weit über die Stadt Meran und das Burggrafenamt hinausgeht. Nach der Absicht des Gründers sollte das Museum ganz Tirol repräsentieren; diesem Leitgedanken folgend wurden dann auch Objekte, Funde und Kunstwerke gesammelt: die Algunder Menhire, ein Schreibmaschinenmodell Peter Mitterhofers, das Hirschhorn von Talatsch mit rätischer Inschrift und viele weitere Unikate. Als großzügiger Gönner hat Innerhofer sein Museum mit zahlreichen Schenkungen bedacht und fast sein ganzes Vermögen darin investiert. Nicht zuletzt hat er auch seine umfangreiche Tirolensien-Bibliothek dem Museum zum Geschenk gemacht. Sie ist heute mit 30.000 Werken eine unerschöpfliche Quelle für heimatkundlich Interessierte und wissenschaftliche Forscher.

In den ersten 30 Jahren zeigte sich auch das internationale Kurpublikum auffallend großzügig. So kam das Museum in den Besitz seltener Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel der Totenmaske Napoleons und einer ägyptischen Mumie samt Sarkophag. Rudolf Slatin Pascha, der berühmte Abenteurer und einstige Gouverneur im afrikanischen Sudan, der seinen Lebensabend in der angemieteten Villa Mathilde in Obermais verbrachte, schenkte der Stadt 1927 an seinem 70. Geburtstag seine sudanesische Waffensammlung.

Aus dem Nachlass des Journalisten Albert Ellmenreich besitzt das Museum eine Fotodokumentation der Zeit des Ersten Weltkriegs, die ihresgleichen sucht.

Die Vergangenheit kennen, um die Gegenwart zu verstehen

Das neue Museum bietet den Besuchern einen Rundgang in 27 Stationen an, die nach Themenschwerpunkten   die Geschichte Merans von der Urzeit bis in die Gegenwart  dokumentieren. Natürlich können sie auch unabhängig voneinander aufgesucht und gezielt betrachtet werden.  Die Zeitreise durch die Geschichte wird anschaulich präsentiert durch urgeschichtliche Funde, Arbeitsgeräte, Skulpturen, Gemälde, Münzen, Trachten, Fotografien, Landkarten, Keramikobjekte, Krippen, Zunftzeichen, Kurmittel sowie Kuriositäten aus der Geschichte der Stadt Meran und darüber hinaus. Jeder Raum bietet zudem Möglichkeiten der Interaktion, die je nach Thema sehr unterschiedlich sein können. Für Schulklassen findet sich im Dachgeschoss ein mit allen gängigen Medien ausgestatteter Raum zur Vor- und Nachbereitung des Museumsbesuches.

Dauerausstellung und Wechselausstellungen

Die Museumsleitung setzt auf Flexibilität, um Bürger und Gäste zu wiederholten Museumsbesuchen zu verlocken. Da die Dauerausstellung kaum 3% der vorhandenen Bestände zeigen kann, ist geplant, die Exponate von Zeit zu Zeit auszutauschen. In erster Linie sollen aber Sonderausstellungen,  denen im Haus großzügige Flächen vorbehalten sind, Anreize zum regelmäßigen Besuch schaffen. Sie entscheiden über die Akzeptanz bei der Bevölkerung und die Rolle, die das Museum künftig im kulturellen Leben der Kurstadt einnehmen wird.

Die Familie Mamming: Zuerst Handwerker, dann Freiherren und Grafen

Nach der Familientradition hat sich ein Berchtold Memminger um das Jahr 1300 in Meran niedergelassen. Woher die Familie gekommen ist, ob von der Stadt Memmingen in Schwaben oder von Mamming in Niederbayern, ist ungeklärt.

Soweit bekannt, haben die Meraner Mamming ihren Lebensunterhalt ursprünglich als Handwerker bestritten: Berufe wie Schuhmacher, Zinngießer und Kürschner sind urkundlich belegt. Es ist anzunehmen, dass zum Handwerk bald der Handel gekommen ist, wodurch sich die Verdienstmöglichkeiten vervielfältigten.

So kamen die Mamming in Meran schnell zu Wohlstand und Ansehen, dementsprechend rasch war ihr Aufstieg in den erwählten Kreis der Ratsbürger, denen - in Gegensatz zu den gewöhnlichen Inwohnern - die Ausübung der städtischen Ämter vorbehalten war. Conrad Mamming beispielsweise war 1406 Landrichter in Meran, sein Sohn Peter 1415 Bürgermeister von Meran. Seit 1458 wappenfähig, wurde die Familie 1564 in den Adelsstand erhoben. Hildebrand erhielt 1608 erstmals das Prädikat „von Steinachhaimb“ verliehen. Benedikt Mamming stieg schließlich 1672 in den Freiherrn- und später in den Grafenstand auf.

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Ausgabe 8/2015
Meraner Stadtanzeiger 8/2015
Thu, 16. Apr 2015

  • Editorial 08/2015
  • Ein neues Heim für das Meraner Museum
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