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Lesezeit: 2 min

Darf es zwei Erziehungsstile geben?

Im Herbst 2016 von Treffpunkt Familie

Dieser Artikel erschien vor 10 Jahren im Meraner Stadtanzeiger und ist unter Umständen nicht mehr ganz aktuell
Foto: Alexandra H. / pixelio.de
Foto: Alexandra H. / pixelio.de

Eltern sind oft verunsichert, wie es sich auf Kinder auswirkt, wenn Vater und Mutter unterschiedlicher Meinung in Erziehungsfragen sind.

Vor langer Zeit wurde von Experten empfohlen, dass Eltern eine „geschlossene Front“ bilden und immer einer Meinung den Kindern gegenüber sein sollten. Heute weiß man, dass eine einheitliche Meinung nicht ausschlaggebend für das Wohlergehen der Kinder ist. Wichtig allerdings ist es, dass Eltern die Führung in der Familie wahrnehmen.

Menschen sind unterschiedlich

Vater und Mutter sind unterschiedliche Persönlichkeiten. Sie haben jeweils eine andere Geschichte hinter sich und werden so immer verschieden sein. Und das ist in Ordnung so. „Die einzige Alternative dazu wäre, einen ‚Chef‘ zu ernennen. Was zur Folge hätte, dass der oder die andere zum Assistenten, zum Hausmädchen oder Bediensteten degradiert wird. So ist Gleichheit zwischen den Eltern nicht möglich. Kinder können auf wunderbare Weise mit der Verschiedenheit ihrer Eltern umgehen. Sie fühlen sich dadurch weder unsicher noch verwirrt. An einem Punkt sollten sich Eltern allerdings einig sein, nämlich darin, dass es in Ordnung ist, unterschiedlich zu sein“, ist der dänische Familientherapeut Jesper Juul überzeugt. Kinder leiden dann, wenn die Eltern sich dauernd über sie streiten. Das verunsichert Kinder und gibt ihnen das Gefühl, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.

Was sollen Eltern also tun, wenn sie unterschiedlicher Auffassung über Erziehungsthemen sind?

Wenn die individuellen Unterschiede zwischen den Eltern zu Streit und Konflikten führen, so ist das eine gute Gelegenheit, sich über seine eigene Kindheit Gedanken zu machen und diese dem Partner mitzuteilen. So lassen sich Diskussionen über die richtige Art, Vater oder Mutter zu sein, vermeiden. Stattdessen können Sie herausfinden, welche Art von Eltern Sie sind, was Ihnen wichtig ist.

Bei Gesprächen über Erziehungsfragen sollte es nicht darum gehen, wer letztlich gewinnt, sondern welche Bedingungen die besten für die Kinder sind. Kinder profitieren davon, eine Mutter und einen Vater zu haben, die sich in ihrer Elternrolle wohlfühlen, die sich gegenseitig und ihre Unterschiede wertschätzen.

Folgende Fragen sollten Sie sich stellen, rät Juul: Was ist mir wichtig und warum? Was ist meinem Partner wichtig und warum? Geht es bei den Gesprächen mit dem Partner wirklich um Erziehungsfragen und um unsere Kinder, oder geht es eigentlich um etwas anderes? Haben wir gerade einen Machtkampf? Liegt das Problem beim Kind oder bei uns Eltern? Können wir Eltern uns darauf einigen, dass wir manche Dinge anders machen wollen?

Kindererziehung ist ein gegenseitiger Lernprozess

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